Jürgen Renger ist zweiter Vereinsvorsitzender unserer SG31 Bensheim und außerdem Materialwart. Im Alltag nutzt er einen Rollstuhl.
Hey Jürgen, danke für Deine Zeit! Bei Turnieren höre ich Gegner manchmal stöhnen: „Der Renger stellt schon wieder Fallen!“ Müsste Dein Spitzname nicht eigentlich „Trapper JR“ sein? Was macht Dir an dieser Rolle besonders Spaß – und wie trainiert man gutes Fallenstellen?
Ups, ich bin ein Fallensteller, das ist mir Neu. Gebe aber zu das ich früher schonmal auf eine Taktik gehofft habe, obwohl mein Zug in der Situation nicht der beste war. Das ging in den meisten Fällen schief, daher glaube ich, dass ich das nicht mehr mache. Besonders gegen „vermeintlich“ schwächere Gegner muss ich aufpassen nicht wieder in alte Muster zu verfallen. Kann ich jeden nur von abraten.
Welche Hürden gibt es bei Training und Wettkämpfen im Rollstuhl ganz praktisch (Anfahrt, Spielsaal, Tischhöhe, Zeitnot usw.) – und welche Tipps würdest Du Menschen mit Mobilitätseinschränkung geben, die mit Schach anfangen wollen?
Training ist für mich mit der neuen Spielstätte im DGH Wilmshausen optimal, wären wir noch am alten Standort wäre ich wohl vom aktiven Spiel raus. Bei Wettkämpfen gibt es einen Unterschied zwischen Mannschaftskämpfen und Turnieren. Bei Turnieren kann ich das ganz gut planen, kostet aber ein wenig Zeit und ein paar Telefongespräche ob die Spielstätte und die Unterkunft wirklich geeignet ist. Selbst bei Hotels kann man sich nicht immer auf die Homepage verlassen. Diese Saison kannte ich häufig den Spielort oder konnte bei Mitspielern nachfragen. Sollten wir aufsteigen wird es nächste Saison schwieriger. Daher wäre es für mich hilfreich, wenn auf der Seite „nuLiga, Kontaktadressen, Spielorte“ diesbezüglich Informationen zu Verfügung stehen würden. Und Tipp ist schwierig, außer sich einen geeigneten Verein zu suchen. Und nicht alle spielen Mannschaftskämpfe oder Turniere, dann klappt das schon. Zusätzlich gibt es Online ja viele Möglichkeiten.
Gab es jemanden oder einen Moment im Verein, der Dir besonders gezeigt hat: „Hier gehöre ich hin“?
Eigentlich nicht konkret, aber wenn ich die Stimmung nicht als positiv wahrgenommen hätte wäre ich wohl nicht mehr dabei. Nach 20 Jahren Schachpause hatte ich wieder Lust gehabt zu spielen und einfach mal geschaut welche Vereine es in der Nähe gibt. Habe 2009 ein Turnier als Vereinsloser in Mörlenbach gespielt, mich dann aber 2010 für Bensheim entschieden.
Wenn Du jedem Vereinsmitglied genau einen Trainings-Tipp für die Saison geben dürftest: Was wäre die eine Gewohnheit, die am meisten Spielstärke bringt?
Wenn ich meine Spielstärke berücksichtige empfinde ich das als „Fangfrage“. Aber okay, ich versuche mal was. GM Partien nachspielen und die Varianten berechnen. Für jeden richtigen Zug gebe ich mir dann einen Punkt.
Was möchtest Du der SG31 Bensheim für das Jahr 2026 mit auf den Weg geben?
Weiterhin gute Jugendarbeit zu betreiben. Ich glaube wir haben da momentan wirklich ein gutes Team. Dafür ein großes Dankeschön, denn das Training vorzubereiten und die Jugendlichen auf Turniere zu begleiten kosten einiges an „freier“ Zeit.
Zum Schluss eine ganz andere Frage: Gab es ein Schach-Missgeschick oder einen unerwarteten Moment am Brett, über den Du noch heute schmunzeln musst?“
Naja, eher Missgeschick. Habe mal als Jugendlicher bei einem Turnier den geteilten ersten Platz belegt und musste in einen Stichkampf. Den habe ich verloren und nach der Partie die Steine einfach zusammengeschoben. Aber okay, ich glaube da war ist erst 11, danach ist mir das nicht mehr passiert. Bekomme das mit dem Hand reichen seitdem ganz gut hin.
